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Frankfurter Masterplan gefährdet Position als Datenhauptstadt

Die GERMAN DATACENTER ASSOCIATION e.V. (GDA) stellt erstmals ihre Positionen gegenüber der Politik vor. Ein besonderer Schwerpunkt liegt dabei auf dem wichtigsten deutschen Rechenzentrumsstandort Frankfurt am Main, wo der Magistrat kürzlich Eckpunkte eines angekündigten „Masterplans“ für die Ansiedelung neuer Rechenzentren beschlossen hat.

Anna Klaft, Vorstandsvorsitzende der GDA erklärt: „Rechenzentren bilden das Fundament der Digitalisierung. Die Branche baut angesichts der wachsenden digitalen Nachfrage bundesweit und vor allem im Rhein-Main-Gebiet ihre Kapazitäten aus. Damit Rechenzentren in Zukunft einen positiven Beitrag zur digitalen Transformation und der Erreichung von Klimazielen leisten können, muss die Politik vor allem auf lokaler Ebene früher und intensiver die Betreiber einbinden. Wir bedauern, dass dies bei dem beschlossenem Masterplan nicht der Fall war. Wir setzen uns als Stimme der Datacenter-Betreiber in Deutschland weiter mit Nachdruck bei politischen Entscheidern für Rahmenbedingungen ein, die ein nachhaltiges, langfristiges Wachstum ermöglichen und die Wettbewerbsfähigkeit des deutschen Digitalstandorts nicht weiter gefährden.“

Die GDA hebt drei Themenfelder hervor, die sie auf lokal- und bundespolitischer Ebene priorisiert:

Digitalisierung in Deutschland

Rechenzentren sind Teil der kritischen digitalen Infrastruktur in Deutschland und bilden die Grundlage für nahezu alle digitalen Anwendungen. Die deutsche Rechenzentrumsbranche schafft einen immensen Mehrwert für die deutsche Wirtschaft und Gesellschaft.

Damit Rechenzentren auch in Zukunft ihren Beitrag zur Digitalisierung leisten können, darf die Politik die Wettbewerbsfähigkeit der Branche in Deutschland nicht aus den Augen verlieren. Die im europäischen Vergleich höchsten Strom- und Baukosten in Kombination mit langwierigen und komplexen Genehmigungsverfahren stellen Betreiber vor große Herausforderungen und gefährden damit auch die digitale Transformation in Deutschland. Die GDA setzt sich daher für wettbewerbsfähige Betriebskosten und den Abbau bürokratischer Hürden ein.

Bedeutung für das Rhein-Main-Gebiet

Frankfurt ist mit aktuell 60 Rechenzentren eine der Datenhauptstädte Europas. Auch umliegende Gemeinden im Rhein-Main-Gebiet profitieren vom Wachstum der Branche. Rechenzentren schaffen als Ausbildungsbetriebe langfristige und zukunftssichere Arbeitsplätze, unterstützen regionale Wirtschaft und Zulieferer und haben in den letzten 20 Jahren Gewerbegebiete durch neue Nutzung und durch Milliardeninvestitionen spürbar aufgewertet. Die digitale Wertschöpfung, die aus Frankfurter Rechenzentren erzeugt wird, ist gigantisch und das bei minimalem Flächenbedarf. Rechenzentren belegen lediglich 5% der Gewerbeflächen in Frankfurt und stellen damit 70% der digitalen Dienstleistungen in ganz Deutschland bereit. Gleichzeitig stellt die GDA fest, dass die Stadt Frankfurt ihrer besonderen Verantwortung als Datenhauptstadt nicht ausreichend nachkommt.

Dazu kommentiert GDA-Vorsitzende Anna Klaft: „Wir sehen das Risiko, dass das vom Magistrat beschlossene Konzept den Digital- und Wirtschaftsstandort Frankfurt langfristig spürbar schwächt. Wir begrüßen grundsätzlich das Ziel, Planungssicherheit herzustellen. Wir bedauern aber, dass es im Vorfeld trotz Zusagen der Stadt keinen ausreichenden Austausch mit der Branche gegeben hat, der zu einer nachhaltigen und bedarfsgerechten Planung hätte beitragen können. Die aktuell ausgewiesenen Flächen, von denen nicht alle uneingeschränkt für Rechenzentren geeignet sind, werden mit den bisher geplanten und genehmigten Bauvorhaben bis etwa 2025 ausgereizt sein. Ein weiterer Ausbau im Sinne der deutschen Digitalisierungsziele ist danach in Frankfurt nur schwer machbar. Daher erwarten wir langfristig eine zunehmende Ansiedlung neuer Rechenzentren in umliegenden Gemeinden im Rhein-Main-Gebiet. Dazu zählen vor allem Offenbach, Hattersheim und Hanau“.

Beitrag zum Klimaschutz

Die GDA und ihre Mitglieder sind sich ihrer Verantwortung für einen klimafreundlichen Ausbau und Betrieb bewusst. Die Branche will aktiv und im engen Austausch mit der Politik zu einer grünen Digitalisierung beitragen. Die deutschen Klimaziele können nur mit Hilfe einer beschleunigten Digitalisierung erreicht werden. Der Verband begrüßt die Pläne der Bundesregierung zur Beschleunigung der Energiewende und des Netzausbaus. Ziel muss eine klimafreundliche, zuverlässige und bezahlbare Energieversorgung für die digitale Infrastruktur sein.

Betreiber haben aus eigener Initiative bereits große Fortschritte im Bereich der Energieeffizienz und der Emissionsminderung gemacht: So haben die GDA und viele Mitglieder 2021 den EU Climate Neutral Datacenter Pact unterzeichnet, der zur Klimaneutralität bis 2030 verpflichtet. Betreiber investieren in Ökostrom, effizientere Kühlung und Modernisierungen, um Emissionen weiter zu senken. Vor allem der derzeitige Zubau großer Cloud- und Colocation-Rechenzentren verbessert die Effizienz, da damit der Abbau deutlich ineffizienterer, unternehmenseigener Rechenzentren einher geht.

Auf lokaler Ebene strebt die GDA den engeren Austausch mit Gemeinden bei der Planung und Umsetzung von Klimaschutzmaßnahmen an. In Frankfurt möchte sich die Branche konstruktiv bei der Erarbeitung von Klima- und Wärmekonzepten einbringen und aufzeigen, wie Rechenzentren einen positiven Beitrag zum Klimaschutz leisten können. So scheitert die Bereitstellung von Abwärme beispielsweise oft noch an einem unzureichenden Netzausbau und fehlenden Abnehmern. Eine bessere Zusammenarbeit zwischen Gemeinden, Betreibern und Energieversorgern kann hier Abhilfe schaffen und sicherstellen, dass Digitalisierung und Klimaschutz Hand in Hand gehen.

 


 

Über die GERMAN DATACENTER ASSOCIATION

Die 2018 gegründete GERMAN DATACENTER ASSOCIATION e.V. ist ein Zusammenschluss von Betreibern und Inhabern von Rechenzentren aller Größen. Sie wird von führenden Forschungsinstituten, Kommunen und einem Netzwerk aus Partnern unterstützt.

Der Verband bietet Rechenzentren-Betreibern in Deutschland eine Plattform, um das Wachstum der Branche gemeinsam zu stärken und ihre Wahrnehmung in Wirtschaft, Gesellschaft und Politik zu verbessern. Zudem vertritt die GDA e.V. ihre Mitglieder in Bezug auf Gesetze, Bestimmungen, Standards, Normen und politische Fragen in den entsprechenden Gremien. Erklärtes Ziel ist es, die Rahmenbedingungen für das Betreiben von Rechenzentren in Deutschland nachhaltig zu verbessern und die Investitionsattraktivität von deutschen Standorten zu steigern.

Die branchenspezifischen Veranstaltungen der GDA e.V. ermöglichen Mitgliedern und Interessenten den qualifizierten Austausch zu Technologie- und Markttrends und den Ausbau des eigenen Netzwerks. Mit ihren Mitgliedern und Partnern entwickelt der Verband Standards und Normen zur Konzeption von Rechenzentren. Außerdem initiiert und realisiert die GDA e.V. Forschungsvorhaben rund um Rechenzentren.

Die GERMAN DATACENTER ASSOCIATION e.V. hat ihren Sitz in Frankfurt am Main.
www.germandatacenters.com

 


 

Pressekontakt

Zoé Lahr
APCO Worldwide
zlahrapcoworldwidecom
+49 173 486 9432

 


 

Presseinformation als PDF

German Datacenter Association: Frankfurter Masterplan gefährdet Position als Datenhauptstadt – 30.3.2022

Bildmaterial

GDA-Vorsitzende Anna Klaft

Vorstand der German Datacenter Association e.V.
Von links nach rechts: Stellvertretender Vorsitzender Peter Pohlschröder, Vorstandsvorsitzende Anna Klaft, Jens Peter Müller, Bernhard Benz, Prof. Dr. Peter Radgen, Oliver Schiebel und Klaus Schindling.

Vorstand der German Datacenter Association e.V.
Von links nach rechts: Stellvertretender Vorsitzender Peter Pohlschröder, Vorstandsvorsitzende Anna Klaft, Prof. Dr. Peter Radgen, Bernhard Benz, Oliver Schiebel, Jens Peter Müller und Klaus Schindling.

Die GDA stellt erstmals ihre Positionen gegenüber der Politik vor.
Die GDA stellt erstmals ihre Positionen gegenüber der Politik vor. Der Vorstand v.l.n.r.: Stellvertretender Vorsitzender Peter Pohlschröder, Vorstandsvorsitzende Anna Klaft, Jens Peter Müller, Bernhard Benz, Prof. Dr. Peter Radgen, Oliver Schiebel und Klaus Schindling.