Bereits seit 2006 greift die Regulierung fluorierter Treibhausgase im Rahmen der F-Gase-Verordnung grundlegend in die technologische Ausrichtung von Klimatisierungssystemen ein. Mit der aktuellen Novellierung (EU) 2024/573 erreicht diese Entwicklung im nächsten Jahr ihren vorläufigen Höhepunkt. Der Gesetzgeber beschleunigt den Phase-down nochmals drastisch und verhängt ab 2027 bzw. 2030 GWP-Grenzwerte von unter 150 für bestimmte Anlagenkonzepte, die auch im Datacenter Anwendung finden.
Aktuelle Entwicklungen wie die Integration von KI-Systemen und immer schneller steigende Leistungsdichten im Rechenzentrum machen deutlich, dass die Klimatisierung ihren Status als nachgelagertes Gewerk innerhalb der Rechenzentrumsinfrastruktur längst hinter sich gelassen hat. Heute bildet sie ein systemkritisches Rückgrat für hochverfügbare IT-Infrastrukturen und ist entscheidend für die Gesamteffizienz, die Wettbewerbsfähigkeit und die grundlegende Machbarkeit von modernen Rechenzentrumsprojekten. Damit stehen RZ-Betreiber vor einer strategischen Richtungsentscheidung. Der bloße Austausch einzelner Teilbereiche greift bei der Klimatisierung langfristig zu kurz. Um Infrastrukturen bis zum Jahr 2040 wettbewerbsfähig und rechtskonform aufzustellen, ist heute zwingend ein ganzheitlicher Systemansatz erforderlich. Dabei müssen Faktoren wie Kältemittelauswahl, Betriebssicherheit, Energieeffizienz und Schallschutz nahtlos ineinandergreifen. Wer heute in die Kühlung investiert, investiert auch in regulatorische Sicherheit und Standortverträglichkeit, die weit über den nächsten Stichtag aktueller Verordnungen hinausreichen.
Flexible Kältemittelstrategie schützt Investitionen
Der Klimatisierungsmarkt verlangt nach investitionssicheren und vor allem praxistauglichen Antworten auf künftige Regulierungen. Mit einem GWP von 148 bietet das Kältemittel R454C eine kompakte und zugleich effiziente Lösung für den Betrieb von DX-Systemen. Als A2L-Kältemittel ist es schwer entflammbar und lässt sich mit der passenden Sicherheitstechnik problemlos in Rechenzentren integrieren. Im Vergleich zu den stärker entflammbaren A3-Alternativen sind mit dem A2L-Kältemittel in vielen DX-Anwendungen zudem deutlich weniger bauliche und technische Schutzmaßnahmen erforderlich. Auch bestehende Gerätearchitekturen lassen sich so mit überschaubaren Anpassungen für den Low-GWP-Betrieb umrüsten. Die STULZ-Systeme der CyberAir 3PRO DX-Reihe beweisen die hocheffiziente Überführung dieser Architektur in den sicheren, praxistauglichen Anlagenbetrieb. R454C ist definitiv keine Übergangslösung mehr. Es bildet einen strategischen Baustein für eine regulatorisch sichere und technisch beherrschbare Kältemittelstrategie. Parallel dazu erfordert eine weitsichtige Infrastrukturplanung jedoch auch den konsequenten Blick auf natürliche Kältemittel. In diesem Zusammenhang etabliert sich R290 als praxisnahe Lösung, sowohl in Bezug auf ökologische Nachhaltigkeit als auch auf die grundlegende thermodynamische Effizienz. Die Kombination aus Kaltwassersätzen mit R290-Technik und wassergekühlten Innengeräten hat sich insbesondere in aktuellen Großprojekten bewährt. Auch im Segment der modularen Rechenzentren wird Propan heute von Betreibern oft sogar explizit gefordert. Die strategische Antwort auf ein beschleunigtes Phase-out kann also ein hybrides Lösungsportfolio sein. R454C eignet sich für kompakte DX-Anwendungen; R290 ermöglicht eine zukunftsweisende zentrale Kaltwassererzeugung.
Systemarchitektur über das Kältemittel hinaus
Ein isolierter Blick auf Einzelkomponenten birgt in der Kältetechnik immer Risiken für Betriebskosten und Anlagen-Compliance. Deshalb zeichnen sich zukunftsfähige Klimatisierungsansätze heute vor allem durch das intelligente Zusammenspiel aller entscheidenden Systemfaktoren aus. Um einen resilienten Anlagenbetrieb sicherzustellen, müssen grundlegende Parameter wie Betriebssicherheit, Schallschutz und die eingesetzte Kältemittelstrategie direkt im kältetechnischen Systempfad verankert werden. Auch die Energieeffizienz bleibt dabei ein wichtiger Faktor. Mindestanforderungen werden unter anderem durch das Energieeffizienzgesetz (EnEfG) vorgegeben. Um solche Vorgaben rechtssicher zu erfüllen, darf die Kühlung als größter Nebenverbraucher im Rechenzentrum nur minimale Energieaufschläge verursachen. Auch Low-GWP-Lösungen müssen unter diesen neuen Rahmenbedingungen ihre Leistungsfähigkeit im 24/7-Betrieb beweisen. Neben der Energieeffizienz rückt im Rechenzentrumsumfeld allerdings auch der Schallschutz zunehmend in den Mittelpunkt. Schalloptimierte Systeme mit einem LWA-Wert von unter 80 dB(A) können maßgeblich zur Akzeptanz neuer Standorte beitragen. Auch freiwillige Schallschutzmaßnahmen sind als sinnvolle Investition anzusehen, da sie rechtliche Risiken reduzieren und die gesellschaftliche Akzeptanz stärken.
Liquid Cooling als Schlüsseltechnologie für moderne Hochleistungs-IT
Künstliche Intelligenz und Edge Computing treiben die Rack-Dichten massiv in die Höhe. Bei Wärmelasten von über 130 Kilowatt pro Rack erreicht die Luftkühlung ihre physikalischen Grenzen. Der flächendeckende bzw. hybride Einsatz von Flüssigkeitskühlung ist damit unausweichlich. Fortschrittliche Direct-to-Chip-Lösungen sind in der Lage, heute schon rund 75 Prozent der IT-Lasten direkt zu kühlen. Die übrigen 25 Prozent, die aus dem Betrieb von Netzteilen und aus Kabelverlusten stammen, werden von luftbasierten Präzisionsklimasystemen übernommen. In solchen Hochleistungsszenarien arbeiten Coolant Management Units (CMU) wie die CyberCool CMU von STULZ als technologisches Herzstück. Sie bilden die Schnittstelle zwischen der IT-nahen Flüssigkeitskühlung und der gebäudeseitigen Kaltwasserinfrastruktur. Die Systeme steuern Volumenstrom, Anlagendruck und Temperaturverteilung völlig autark. Parallel dazu sorgen sie für eine lückenlose Systemfiltration und permanentes Monitoring. Modulare Lösungen mit integrierter Coolant Distribution Unit führen Wärmelasten von rund 1.550 Kilowatt pro Einheit sicher ab.
Zwar wächst der regulatorische Handlungsdruck auf Rechenzentren weltweit, gleichzeitig bietet dieser Wandel aber auch die Chance für Betreiber, ihre RZ-Infrastruktur grundlegend zu optimieren. Wer seine Architektur heute vorausschauend plant, reduziert regulatorische Risiken, spart Energiekosten und bleibt damit langfristig wettbewerbsfähig.
Über den Autor
Peter Wäsch, Diplom-Ingenieur der Elektrotechnik, ist Head of Modular Datacenter & MDC Germany und seit 2023 für STULZ tätig. Seine langjährige internationale Erfahrung in Führungspositionen innerhalb der Rechenzentrumsbranche sowie seine Expertise im Bereich modularer Rechenzentren machen ihn zu einer zentralen Figur in diesem Segment.
Über STULZ
Das Hamburger Unternehmen STULZ ist einer der weltweit führenden Anbieter von Klimatechnik. Seit über 40 Jahren entwickelt das Unternehmen Klimatechnik auf höchstem Niveau: Ob Rechenzentrum, industrielle Anwendung oder Kommunikationstechnik – das Familienunternehmen bietet weltweit maßgeschneiderte Kühllösungen mit höchster Präzision und Energieeffizienz aus einer Hand. Auch zu einem effizienten und umweltfreundlichen Rechenzentrumsbetrieb tragen die Produkte von STULZ maßgeblich bei: das Unternehmen gehört zu den führenden Herstellern für besonders stromsparende Kälteerzeugungs- und Klimatisierungstechnologien.
Was prägt den deutschen Rechenzentrumsmarkt 2026/27?
Der Datacenter Outlook Germany 2026/27 verbindet Marktanalyse, politische Perspektiven und Erfahrungen aus dem gesamten Rechenzentrumsökosystem. Einblicke und Einschätzungen von Expertinnen und Experten der Rechenzentrumsbracnhe zu Entwicklungen, Hemmnissen und Trends sowie Beiträge zu aktuellen politischen Positionen der German Datacenter Association ergänzen das Gesamtbild.
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